21. Juli 2018

13-22 Uhr

Königsplatz (U2)

Das war 2001

Alle Infos zu den Bands 2001 bekommt ihr auf der Band-Seite.

OBEN OHNE OPEN AIR 2001

Oben Ohne - aber mit Musik

Eigentlich ist der Königsplatz bei Veranstaltungen fest in der Hand von Anhängern klassischer Musik. Am 8. Juli allerdings regierten Jugendliche im Alter von 14 bis 29 Jahren in der klassizistischen Kulisse: Der Kreisjugendring München-Stadt veranstaltete zum dritten Mal das einzige nicht-kommerzielle Musikfestival "Oben Ohne" zwischen den historischen Gebäuden.

Der - übrigens jährlich wechselnde - Musikschwerpunkt wurde dieses Jahr auf Pop gelegt. Oben ohne haben sich allerdings die wenigsten der mehreren Tausend Besucher auf das Gelände gewagt. Nur, wenn die Sonne zu stark herunterbrannte, oder, wie beim Hauptact Bananafishbones, der Regen wie eine kalte Dusche auf den Platz herunterprasselte, zogen sich vornehmlich die männlichen Besucher ihre T-Shirts vom Leib. Das Wetter kannte auch kein Erbarmen: Hat man sich gerade darauf eingerichtet, sich auf den Grünflächen des Platzes zu fläzen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen, musste man schon wieder zwischen die schützenden Säulen der historischen Gebäude vor dem Regen flüchten. "Schade, dass das Wetter nicht mitspielt", sagte die 15-jährige Steffi Günther, "aber die Bands sind richtig klasse."

Einen der ersten musikalischen Höhepunkte stellte der Auftritt von Bell Book & Candle dar. Die Berliner Musiker spielten überwiegend Nummern aus ihrem neuen Album. Aber natürlich fehlte auch ihr Hit "Rescue me" nicht. Die Frontfrau Jana Groß zeigte sich sehr beeindruckt von der Kulisse des Königsplatzes: "Wir haben selten in so einer schönen Location gespielt", meinte sie.

Mit seinen gefühlvollen deutschen Soulnummern setzte es sich der Mannheimer Laith Al-Deen zum Ziel, den Regen zu vertreiben, was ihm vorübergehend auch gelang. Mit seinen Balladen, unter denen seine Erfolgsnummer "Bilder von Dir" war, erschufen der Deutsch-Iraker und seine Band eine kraftvolle Klangkulisse.

Beim Hauptact, den Bananafishbones, ließ sich das Wetter nicht mehr schönsingen. Das machte aber nichts. Denn die Tölzer Band zeigte, dass man nicht mehr als drei Musiker braucht, um dem Publikum trotz des Platzregens einzuheizen. Wenn Sebastian Horn mit seiner rauchigen Stimme das komplette Spektrum von säuselnder Country-Schnulze hin zu Hardcore-Gebrülle abdeckte, Peter Horn seine Akustikgitarre durch den Verzerrer jagte und der Percussionist Florian Rein mit Glockenspiel oder Schlagzeug für den passenden Sound sorgte, tobte das Publikum wie weiland in Woodstock auf dem nassen Gras.

Aber auch die anderen Bands trugen zur musikalischen Vielfalt des Festivals bei: Odd One Out traten mit lyrischen Popnummern auf. Sub7even lieferte das dazu sehr kernige Kontrastprogramm mit härteren Beats. Scycs zeigte anschließend ihre melodiösen, sehr emotionalen Arrangements, und DJ Gringo von Weirdelic Sound wartete mit einem Mix aus Hip Hop, Reggae, House und Drum´n´Bass auf.

Auch OB Christian Ude tummelte sich zwei Stunden auf dem Musikfest, obwohl seine Lieblingsbands nicht vertreten waren: "Wenn meine Klassiker gespielt hätten, dann wäre das Festival allerdings auch schlecht besucht worden", sagt er. "Aber die entspannte Stimmung finde ich trotzdem super."

Um 18 Uhr sprach er als Schirmherr und "Oberchecker der Stadt", wie ihn die Moderatorin Edith Bässe von Radio Energy angekündigt hatte, ein Grußwort an die Menge, bevor er sich den Fragen der Radio-Plaudertasche stellen musste: "Was ist Ihr Lebensmotto? Wann haben Sie zum ersten Mal Sex gehabt? Wie sieht Ihre Traumfrau aus? Welcher Mann könnte Sie schwul machen?"

Gleich danach folgte ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung: Nachdem an alle Besucher Gasluftballons verteilt worden waren, gab Oberchecker Ude gegen 18 Uhr das Signal, die 10.000 Ballons gleichzeitig steigen zu lassen. Die Aktion war vom Kreisjugendring und dem Bündnis für Toleranz als politisches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit geplant. Hochschwebende Ballons aller Farben bedeckten den Himmel über dem Platz, die der Wind über ganz München verteilte. Übrigens: Diese Aktion musste im Vorfeld wegen der vielen Luftballons erst vom Bundesluftamt genehmigt werden.

Das war noch längst nicht alles, was geboten wurde: Auf der Nebenbühne wurden Breakdancer aus Münchner Freizeitstätten und Tanzschulen beklatscht, die ihre spektakulären Shows präsentierten. Daneben gaben Sprayer aus der Münchner Graffiti-Szene wie Waste, Jamone, Wexone, Zone, Servas und Zane 97 auf 18 Metern Leinwand ihr Stelldichein.

Um nicht nur überall zusehen zu müssen, konnte man in der Fun Area selbst aktiv werden: Zum Beispiel beim Menschen-Kicker, wo man selbst seine Tore schießen musste, beim Streetball oder einer Kletterwand. Außerdem konnte man sich an zahlreichen Ständen über Münchner Jugendarbeit informieren.

In München hat sich mit dem Oben Ohne-Open Air endlich ein erschwingliches, zeitgemäßes und vor allem atmosphärisches Musikfest etabliert. Man darf jetzt schon gespannt darauf sein, was sich der Kreisjugendring für das Festival im nächsten Jahr ausdenkt. Wäre schön, wenn dann auch das Wetter mitspielen würde.

Nadine Nöhmaier