08. Juli 2017

13-22 Uhr

Königsplatz (U2)

Das war 2002

Alle Infos zu den Bands 2002 bekommt ihr auf der Band-Seite.

Nicht ohne: Das OBEN OHNE-Festival

Oben Ohne am Königsplatz hieß nicht, dass der geschichtsträchtige Ort nur nackig betreten werden durfte. Oben Ohne am Königsplatz hieß Party pur - mitten in der Stadt. Oben mit Regenschirm hätte dabei nicht geschadet. Nicht ohne dagegen war das Programm: Am 21. Juli ist es einmal mehr gelungen, auf dem historischen Platz Geschichte zu schreiben - Münchner Musikgeschichte auf höchstem Niveau.

Mit nichts als dem Himmel drüber, antiken Bauten drum herum und einem königlichen Sound in den Ohren versammelten sich über 6000 HipHop-Hörige zum kollektiven Kopfnicken; damit konnte das Oben-Ohne-Festival heuer einen noch größeren Erfolg als im letzten Jahr verbuchen. Anstelle von Pop und Drum`n`Bass stand dieses Mal das gesprochene Wort im Mittelpunkt: HipHop aus Bayern und dem hohen Norden, das Ganze vermischt mit jamaikanischem Reggae; als Pausensnack eine Poetry-Slam-Darbietung und nicht zuletzt Labertasche und Moderator Immo aus der HipHop-Szene in Bremen sorgten ohne Punkt und Komma für Sprachspiele und Musik-Highlights.

Als erste schmetterten die Newcomer Caused by Chaos den alten Steinen der Glyptothek neue Töne entgegen. Die vier Musiker haben mit ihrem Cross-Metal-Sound den Bandwettbewerb "Running for the Best" des Kreisjugendring München-Land gewonnen - und starten gerade, mag man den begeisterten Reaktionen ihres Publikums glauben, eine grandiose Musikerkarriere.

Als nächstes kamen alte Hasen an die Reihe: Die Münchner Mannen von Bluekilla, seit 15 Jahren im Musikgeschäft, lieferten mit ihrem Gute-Laune-Ska Gute-Laune-Stimmung. Und das, obwohl sich der Himmel ziemlich düster über dem Oben Ohne zusammenzog.

Dubios auch der nächste Act, allerdings nur dem Namen nach: Dubios Neighbourhood aus München bewegen sich zwar noch nicht so lange im Business wie ihre oben genannten Kollegen, dennoch sind sie mit ihrem Roots Reggae keine Unbekannten mehr in der Stadt und haben zum Festival eine große Fangemeinde mitgebracht.

Der Königsplatz verwandelte sich in die Karibik und die bayerischen Kopfnicker in Jamaikaner, als Gentleman mit seiner "Journey to Jah" die Bühne vor den Propyläen betrat: Galt der Kölner Pastorensohn für viele im Vorfeld schlichtweg als Vorgruppe, so wurde er letztendlich vom Großteil des Publikums als Höhepunkt des Festivals gefeiert. Seine Texte sind in Patois, der Sprache der Jamaikaner, geschrieben, die er täglich mit seiner jamaikanischen Freundin übt.

"Mehr Sommer als jetzt kann es nicht werden", sagt der 21-jährige Johannes Greiderer, ein Festivalbesucher, begeistert über das Karibik-Feeling am Platz. Anschließend war für eine Stunde lang Stille angesagt - aus Rücksicht auf die Vesper im nahe gelegenen Kloster Sankt Bonifaz. Deshalb zog der Poetry Slam - eine Form der Wortakrobatik, die aus den USA stammt und bei der Dichter ihre Versspielchen präsentieren - leise auf die Bühne. Ein interessantes Experiment, denn die Slam-Poeten gaben sich bislang nur in den Kneipen Münchens, nicht aber auf einer Festivalbühne die Ehre. Das Mikro bekamen Dichter wie der Hochgeschwindigkeits-Reimer Timo Brunke, aber auch Will Power aus New York in die Hand. Das Experiment ist nicht hundertprozentig geglückt: Trotz der engagierten Sprech-Performances verlangte das Publikum wieder nach Musik.
Der Auftritt von Fettes Brot schlug folglich wie ein Blitz ein - auch wenn die Musiker aus dem hohen Norden das Wetter nicht schön-rappen konnten, denn während die Menge mit den Köpfen nickte, zuckte Petrus mit seiner nasskalten Schulter und sorgte dafür, dass es wie aus Kübeln goss. Die Stimmung allerdings dampfte - besonders hoch hüpfte die HipHop-Gemeinde im Publikum bei "Jein" und "Schwule Mädchen".

Die Münchner Band Blumentopf lieferte anschließend ein furioses Finale: Mit ihrem "Eins A"-Album und einer Show der Spitzenklasse im Gepäck rappten sie sogar die Sonne hervor; selbst die Gipsköpfe an der Glyptothek schienen zu den fetten Beats und den erstklassigen Freestyles zu nicken.

Die Bilder zur Musik konnte man sich auf dem Open Air selber sprayen: Jungs vom Münchner Schülerbüro zeigten, wie´s geht. Nebenan stellten Münchner Breakdance-Gruppen mit spektakulären Shows ihr Können unter Beweis. Und bei einem Streetball-Turnier kämpften Jugendmannschaften um die meisten Körbe.

Wem die neun Stunden Party nicht gereicht haben, für den machte Blumentopf-DJ Sepalot Überstunden und ließ bei der Aftershow-Party des Jugendmagazins Clash im Pathos Transporttheater an der Dachauer Straße die Plattenteller kreisen. Und ganz after all darf man sich wünschen, dass der Kreisjugendring München-Stadt die Oben-Ohne-Musikgeschichte auch im nächsten Jahr weiter schreibt - hoffentlich genau so preisgünstig, hochkarätig und stimmungsvoll wie heuer. Großes Hip Hop Hurra!

Nadine Nöhmaier