08. Juli 2017

13-22 Uhr

Königsplatz (U2)

Barrierefreiheit

Inklusion erfährt eine fortlaufende Entwicklung, auch auf dem OBEN OHNE Open Air spielt das Thema seit vielen Jahren eine zentrale Rolle. In Zusammenarbeit mit unserer Fachstelle ebs (erleben-begegnen-solidarisieren) wollen wir Barrieren abbauen, um möglichst ALLEN die Teilhabe am Festival zu ermöglichen.

Wir haben uns deshalb in diesem Jahr dazu entschlossen, das Rollstuhlpodest zentral auf dem Festivalgelände direkt neben dem Technik-Turm zu positionieren. Unsere Einlassschleusen verfügen über rollstuhlgerechte Eingänge und für behindertengerechte Toiletten ist gesorgt.

Die Musik der Künstler/innen wird auch in diesem Jahr von Gebärdensprachdolmetscher/innen für gehörlose Menschen übersetzt und so erlebbar und erfahrbar gemacht. Eine ungehinderte Sicht auf die Dolmetscher/innen wird ermöglicht. Bei Bedarf stehen Dolmetscher/innen am Festivalstand der Fachstelle ebs zur Verfügung. Diese unterstützen bspw. beim Besuch der Azubistraße oder bei Gesprächen mit den verschiedenen Ständen. So wird auch für gehörlose Besucher/innen die unbeschränkte Teilnahme am Festival gewährleistet. Darüber hinaus gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal eine FM-Anlage. So haben Hörgeschädigte, die keine Gebärdensprache verstehen, trotzdem die Möglichkeit, die Musik zu genießen. Wer kein Hörgerät besitzt, kann den nötigen FM-Empfänger beim Festivalstand der Fachstelle ebs leihen.

Zudem wird dieses Jahr zum ersten Mal ein Unterstützungsservice für blinde bzw. sehbehinderte Festivalbesucher/innen in Form von Blindenführer/innen zur Verfügung stehen. Diese sind ebenfalls am Festivalstand von ebs zu finden. Eine Vorabanmeldung ist dringend nötig ! Anmelden könnt ihr euch per Mail bei unserer Fachstelle ebs : ebs@kjr-m.de

Des Weiteren haben schwerbehinderte Menschen (Grad der Behinderung mind. 50 und B im Behindertenausweis) die Berechtigung, eine Begleitperson mitzunehmen. Der Eintritt für die Begleitperson ist frei, die Person mit Schwerbehinderung muss über ein Ticket verfügen.

 

Bei Fragen wendet euch bitte an die Fachstelle ebs: ebs@kjr-m.de

Gehörlosigkeit/Taubheit & Gebärdensprache

Gehörlosigkeit/Taubheit - was ist das?

Gehörlosigkeit ist auf den ersten Blick eine unsichtbare Behinderung. In Deutschland leben etwa 80.000 Menschen, die von Gehörlosigkeit betroffen sind. Sie können Geräusche und die gesprochene Sprache nur sehr eingeschränkt bis gar nicht wahrnehmen. Je nach Grad und Beginn der Hörbehinderung wird unterschieden in gehörlos/taub, schwerhörig bzw. spätertaubt. Durch die Behinderung hat sich über viele Jahre hinweg ein Gemeinschaftsgefühl mit einer eigenen Kultur, der Gehörlosenkultur, entwickelt. Gehörlose sind weitgehend von den kulturellen Aktivitäten der hörenden Mehrheit ausgeschlossen (z.B. Vorträge, Theater, Radiosendungen, Kino), da sie visuell orientierte Menschen sind und in Gebärdensprache kommunizieren. Da die Gebärdensprache noch nicht in das öffentliche Bewusstsein vorgedrungen und noch kein selbstverständliches Angebot bei öffentlichen Veranstaltungen geworden ist, stoßen Gehörlose hier immer wieder auf Kommunikations- und Teilhabebarrieren. Um genau gegen diese Barrieren vorzugehen, wird es auf dem OBEN OHNE dieses Jahr Gebärdendolmetscher-/innen geben, die die Songtexte unserer Künstler übersetzen.
Die Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft verstehen sich daher mehr als eine Sprach- und Kulturgemeinschaft und weniger als eine Behindertengruppe.

 

Gebärdensprache - was ist das?

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist eine eigenständige vollwertige visuelle Sprache mit eigener Grammatik, die insbesondere von tauben und schwerhörigen Menschen genutzt wird. Sie gilt als Sprache der Gehörlosen und ihrer Kultur ist daher sowohl von Land zu Land und auch von Region zu Region verschieden (Dialekte). Gebärdensprache besteht aus der Kombination von verschiedenen Handformen (den sogenannten Gebärden) sowie aus Körperhaltung, Mimik und Mundbildern (den lautlos gesprochenen Wörtern, Silben oder Mundgestiken). Diese Kombination ermöglicht es dem Gebärden Sachverhalte, Gedanken und Emotionen zu vermitteln. Seit 2002 ist die Deutsche Gebärdensprache zwar in Deutschland gesetzlich anerkannt, gilt jedoch noch nicht als Amtssprache, wie es in anderen Ländern (z.B. in Neuseeland) der Fall ist.